China fällt auf Platz 6: Wohin Deutschlands Exporte jetzt gehen – und warum sie real schrumpfen
Deutschland exportiert inzwischen mehr nach Polen und Italien als nach China. Die Autoexporte nach China haben sich seit 2022 mehr als halbiert, die in die USA fielen 2025 deutlich. Und real liegen die Exporte trotz Rekordumsätzen unter dem Niveau von 2019.
Die Zahlen dazu
- Exporte nach China2025 81,2 Mrd. €
- Exporte nach Polen2025 99,8 Mrd. €
- Exporte in die USA2025 146,9 Mrd. €
- Exporte nach Frankreich2025 117,3 Mrd. €
Jahrzehntelang galt China als Wachstumsmotor der deutschen Exportwirtschaft. Diese Zeit ist vorbei: 2025 lieferte Deutschland Waren im Wert von 81,2 Milliarden Euro nach China, 24 Prozent weniger als im Rekordjahr 2022. Unter den größten Abnehmern deutscher Waren rutschte China von Platz 2 in den Jahren 2020 und 2021 auf Platz 6 – hinter Polen und Italien. Polen kauft seit 2024 mehr deutsche Waren als China, 2025 waren es 99,8 Milliarden Euro.
Die Verschiebung ist Teil eines größeren Bildes. Die deutschen Warenexporte insgesamt erreichten 2025 nominal 1.563 Milliarden Euro und lagen damit 17,5 Prozent über 2019. Die Ausfuhrpreise stiegen im selben Zeitraum aber um 21 Prozent. Real, also nach Abzug der Preissteigerungen, exportierte Deutschland 2025 rund 2,8 Prozent weniger als vor der Pandemie. Diese Analyse zeigt anhand der Außenhandelsdaten von Eurostat, wohin die deutschen Exporte heute gehen, welche Waren gewinnen und verlieren und was die Zahlen über das deutsche Exportmodell aussagen.
Die zehn größten Abnehmer
| Land | Rang | Mrd. € 2025 | seit 2019 % |
|---|---|---|---|
| USA | 1 | 146,9 | +23 |
| Frankreich | 2 | 117,3 | +10 |
| Niederlande | 3 | 112,2 | +23 |
| Polen | 4 | 99,8 | +52 |
| Italien | 5 | 83,4 | +23 |
| China | 6 | 81,2 | −16 |
| Österreich | 7 | 79,9 | +21 |
| Großbritannien | 8 | 79,8 | +1 |
| Schweiz | 9 | 73,6 | +31 |
| Spanien | 10 | 59,0 | +34 |
Deutsche Warenexporte 2025 in Milliarden Euro, Rang unter diesen zehn größten Abnehmern und Veränderung gegenüber 2019 (nominal). Quelle: Eurostat Comext DS-059341.
Wichtigster Kunde bleiben mit Abstand die USA mit 146,9 Milliarden Euro, gefolgt von Frankreich und den Niederlanden. Dahinter hat sich die Reihenfolge seit 2019 deutlich verändert. Polen steigerte seine Käufe aus Deutschland um 52 Prozent, die Schweiz um 31 Prozent, Spanien um 34 Prozent. Nach China und Großbritannien dagegen exportierte Deutschland 2025 weniger beziehungsweise kaum mehr als 2019. Österreich liegt nur noch 1,4 Milliarden Euro hinter China.
Insgesamt wird die EU als Absatzmarkt wichtiger. 2019 gingen 52,5 Prozent der deutschen Exporte in andere EU-Staaten, 2025 waren es 55,9 Prozent. Der Binnenmarkt hat sich in den Krisenjahren als stabiler erwiesen als die großen Märkte in Übersee.
China: Der Einbruch kommt aus der Autoindustrie
Ein Blick in die Warenstruktur zeigt, woher der Rückgang im China-Geschäft kommt. Von 2022 bis 2025 sanken die Exporte nach China um 25,6 Milliarden Euro. Allein die Ausfuhr von Autos und Fahrzeugteilen fiel in dieser Zeit von 29,1 auf 12,9 Milliarden Euro, ein Minus von 16,1 Milliarden. Die Autoindustrie erklärt damit fast zwei Drittel des gesamten Rückgangs. Maschinen und Elektrotechnik, die beiden anderen großen Warengruppen im China-Geschäft, gaben deutlich weniger nach.
Die Statistik nennt keine Ursachen. In der öffentlichen Debatte werden vor allem zwei Entwicklungen genannt: Der chinesische Automarkt hat sich rasch zu Elektroautos heimischer Hersteller verschoben, und deutsche Hersteller bauen die in China verkauften Fahrzeuge großenteils vor Ort. Beides verringert die Nachfrage nach Autos und Teilen aus Deutschland. Wie groß der Anteil der einzelnen Faktoren ist, lässt sich aus den Außenhandelszahlen nicht ablesen. Sicher ist: Das China-Geschäft ist für die deutsche Exportbilanz heute weniger wichtig als vor fünf Jahren. Sein Anteil an allen deutschen Warenexporten sank von 7,2 Prozent im Jahr 2019 auf 5,2 Prozent im Jahr 2025.
USA: Zölle treffen vor allem die Autos
Auch die Exporte in die USA gingen 2025 zurück, nach Jahren starken Wachstums. Mit 146,9 Milliarden Euro lagen sie 8,9 Prozent unter dem Rekord von 2024. In das Jahr fallen die neuen US-Zölle auf Waren aus der EU. Im August 2025 einigten sich die USA und die EU auf eine Obergrenze von 15 Prozent für die meisten EU-Waren, die auch die zuvor deutlich höheren Zölle auf Autos und Autoteile ablöste (Gemeinsame Erklärung USA–EU, 21.08.2025).
Wieder sind es vor allem die Autos: Die Ausfuhr von Kraftfahrzeugen und Teilen in die USA sank von 34,0 auf 27,6 Milliarden Euro. Das ist knapp die Hälfte des gesamten Rückgangs im US-Geschäft. Auch Maschinen verloren (von 32,3 auf 29,6 Milliarden). Arzneimittel dagegen hielten sich: Mit 27,4 Milliarden Euro hat sich der Pharma-Export in die USA seit 2019 (13,8 Milliarden) etwa verdoppelt. Arzneimittel sind inzwischen fast so wichtig für das US-Geschäft wie Autos.
Europa wächst: Polen und die Schweiz
Polen ist der Aufsteiger unter den Handelspartnern. Deutschland lieferte 2025 Autos und Fahrzeugteile im Wert von 13,8 Milliarden Euro und Maschinen für 14,5 Milliarden Euro dorthin, beides deutlich mehr als 2019 (7,6 und 11,0 Milliarden). Viele deutsche Unternehmen lassen in Polen fertigen und liefern Vorprodukte über die Grenze; wie viel davon als fertige Ware zurückkommt, zeigen die Exportzahlen allein nicht. Die enge Verflechtung macht Polen zu einem der wichtigsten Märkte für die deutsche Industrie.
Bei der Schweiz steckt ein Sondereffekt hinter dem Plus: Gold und andere Edelmetalle. Die Ausfuhr aus dem entsprechenden Warenkapitel stieg von 3,2 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 8,6 Milliarden im Jahr 2025. Die Schweiz ist ein zentraler Handelsplatz und Raffineriestandort für Gold; bei hohen Goldpreisen steigen die Werte stark, ohne dass mehr Industriegüter fließen. Daneben wuchsen die Arzneimittelexporte in die Schweiz auf 9,8 Milliarden Euro.
Weitere Auf- und Absteiger
Auch jenseits der zehn größten Märkte verschieben sich die Gewichte. Stark gewachsen sind seit 2019 die Exporte in die Türkei (+46 Prozent), nach Indien (+37 Prozent) und nach Rumänien (+35 Prozent). Nach Japan exportierte Deutschland 2025 mit 21,0 Milliarden Euro genauso viel wie 2019. Im Jahr 2025 gingen neben den USA und China auch die Exporte nach Mexiko (−11,3 Prozent) und Südkorea (−8,8 Prozent) deutlich zurück – beides Märkte, in denen Autos und Maschinen eine große Rolle spielen.
Den tiefsten Einschnitt gab es im Handel mit Russland. Nach dem Angriff auf die Ukraine und den EU-Sanktionen fielen die deutschen Exporte von 26,8 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 6,9 Milliarden im Jahr 2025. Russland ist damit von einem der wichtigen Absatzmärkte zu einem Randmarkt geworden.
Welche Waren gewinnen und verlieren
| Warengruppe | 2019 | 2025 | Änd. % |
|---|---|---|---|
| Maschinen | 236,5 | 255,9 | +8 |
| Autos, Fahrzeugteile | 225,3 | 254,5 | +13 |
| Elektrotechnik | 142,5 | 174,7 | +23 |
| Arzneimittel | 80,7 | 116,5 | +44 |
Die vier größten Exportkapitel des Harmonisierten Systems in Milliarden Euro, nominal (Eurostat Comext DS-059341).
Maschinen bleiben mit 255,9 Milliarden Euro das größte Exportkapitel, knapp vor Autos und Fahrzeugteilen mit 254,5 Milliarden. Der Autoexport erreichte 2023 seinen Höchststand von 274,7 Milliarden Euro und ist seitdem rückläufig. Den stärksten Zuwachs unter den großen Kapiteln verzeichnen Arzneimittel: +44 Prozent seit 2019 auf 116,5 Milliarden Euro. Pharma ist damit nach Maschinen, Autos und Elektrotechnik die viertgrößte Exportgruppe.
Bemerkenswert ist die Elektrotechnik. Bis 2020 exportierte Deutschland in diesem Kapitel mehr, als es importierte. Seit 2021 ist es umgekehrt: 2025 standen Ausfuhren von 174,7 Milliarden Euro Einfuhren von 195,5 Milliarden gegenüber (Handelsbilanz Elektrotechnik). Zu diesem Kapitel gehören Batterien, Solarmodule, Halbleiter, Smartphones und elektrische Ausrüstungen, bei denen Asien die Produktion dominiert. In insgesamt 38 von 86 größeren Warenkapiteln importierte Deutschland 2025 mehr, als es exportierte.
Zwei weitere Entwicklungen fallen auf. Die Importe von Öl, Gas und Kohle verdoppelten sich 2022 wegen der Energiepreiskrise auf 196,3 Milliarden Euro und sind seitdem wieder auf 102,4 Milliarden gesunken. Und die Exporte von Kakao und Schokolade haben sich seit 2019 mehr als verdoppelt (5,5 auf 11,4 Milliarden Euro) – vor allem ein Preiseffekt nach dem starken Anstieg der Kakaopreise, kein Mengenboom.
Der Exportüberschuss
Unter dem Strich exportiert Deutschland weiterhin deutlich mehr Waren, als es importiert. Der Überschuss lag 2025 bei 201,6 Milliarden Euro, nach 232,6 Milliarden im Jahr 2024 und 228,3 Milliarden im Jahr 2019. Im Krisenjahr 2022 war er wegen der teuren Energieimporte auf 87,6 Milliarden geschrumpft. Der hohe Überschuss ist international umstritten: Kritiker sehen darin ein Ungleichgewicht, das andere Länder in die Verschuldung treibt, Befürworter einen Ausdruck der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte. Die Daten selbst bewerten das nicht.
Für die Einordnung wichtig: Die Exportzahlen sind Werte in jeweiligen Preisen. Steigende Preise lassen sie wachsen, auch wenn weniger Waren das Land verlassen. Gemessen an den Ausfuhrpreisen exportierte Deutschland 2025 real weniger als 2019. Das passt zur Entwicklung der Industrieproduktion, die in vielen Branchen deutlich unter dem Vorkrisenniveau liegt (siehe Industrie seit 2019).
Häufige Fragen
Wohin exportiert Deutschland am meisten?
In die USA (146,9 Mrd. Euro im Jahr 2025), gefolgt von Frankreich (117,3 Mrd.) und den Niederlanden (112,2 Mrd.).
Wie viel exportiert Deutschland nach China?
81,2 Milliarden Euro im Jahr 2025, nach dem Höchststand von 106,8 Milliarden im Jahr 2022. China ist damit nur noch der sechstgrößte Abnehmer deutscher Waren.
Was exportiert Deutschland am meisten?
Maschinen (255,9 Mrd. Euro), Autos und Fahrzeugteile (254,5 Mrd.), Elektrotechnik (174,7 Mrd.) und Arzneimittel (116,5 Mrd.).
Wie hoch ist der deutsche Exportüberschuss?
Im Warenhandel exportierte Deutschland 2025 Waren im Wert von 201,6 Milliarden Euro mehr, als es importierte. 2024 waren es 232,6 Milliarden, im Energiekrisenjahr 2022 nur 87,6 Milliarden.
Sind die deutschen Exporte gestiegen?
Nominal ja: Von 2019 bis 2025 um 17,5 Prozent. Weil die Ausfuhrpreise um 21 Prozent stiegen, lagen sie real aber rund 2,8 Prozent unter 2019.
Grenzen der Daten
- Nur Waren: Dienstleistungen wie Software, Lizenzen oder Tourismus sind nicht enthalten.
- Nominal: Länder- und Warenwerte sind nicht preisbereinigt; die reale Rechnung nutzt den Ausfuhrpreisindex für alle Waren.
- Gemeinschaftskonzept: Eurostat ordnet Waren teilweise anders zu als die nationalen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Bei den Exporten sind die Unterschiede gering. Länderbezogene Importe verwenden wir deshalb nicht.
- Wechselkurse: Alle Werte sind in Euro. Ein stärkerer oder schwächerer Dollar verändert die Werte im US-Geschäft, auch wenn gleich viele Waren geliefert werden.
- Großaufträge: Einzelne Lieferungen von Flugzeugen, Schiffen oder Anlagen können die Werte kleinerer Länder in einzelnen Jahren stark verschieben.
- Keine Ursachen: Gründe wie Zölle, Produktionsverlagerungen oder Preise nennt die Statistik nicht.
- Vorläufig: Die Werte für 2025 werden noch revidiert.
Alle Länder und Warengruppen im Detail: Exporte insgesamt, Exporte in die USA, nach China, nach Polen, Maschinenexporte, Arzneimittelexporte, Handelsbilanz Elektrotechnik.
Daten und Methode
Quelle: Eurostat, Comext – Internationaler Warenhandel (DS-059341), Meldeland Deutschland, Ausfuhren nach Bestimmungsland und Warenkapiteln des Harmonisierten Systems, Jahreswerte 2002 bis 2025, Lizenz CC BY 4.0; Statistisches Bundesamt, Index der Ausfuhrpreise (GENESIS 61421-0001), Jahresdurchschnitt. Anteile, Ränge, Veränderungen und die Preisbereinigung sind Statsray-Berechnungen.
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