Zum Inhalt springen
DE

Gender Pay Gap nach Beruf: Wo Frauen 40 Prozent weniger verdienen – und wo mehr als Männer

Im Mittel von 135 Berufsgruppen verdienen Frauen in Vollzeit 11,3 Prozent weniger als Männer, in 24 Gruppen mindestens 20 Prozent. Auf gleicher Tätigkeitsstufe sind die Abstände meist kleiner – unter Richtern nur 6,4 Prozent.

Die Zahlen dazu

Alle 3 Statistiken im Artikel

Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt weniger als Männer – doch wie groß der Unterschied ist, hängt stark vom Beruf ab. Statsray hat die mittleren Bruttojahresgehälter von Vollzeitbeschäftigten in allen 135 Berufsgruppen ausgewertet, für die das Statistische Bundesamt Werte für Frauen und Männer veröffentlicht (Verdiensterhebung 2025). Im Mittel dieser Berufsgruppen verdienen Frauen 11,3 Prozent weniger. In 24 Berufsgruppen liegt der Abstand bei 20 Prozent und mehr, in 23 bei weniger als 5 Prozent.

Am größten ist der Abstand in der Berufsgruppe Rechtsberatung, -sprechung und -ordnung: Männer kommen dort im Mittel auf 100.760 €, Frauen auf 60.734 €, 39,7 Prozent weniger. Unter Richterinnen und Richtern beträgt der Abstand dagegen nur 6,4 Prozent. Woran das liegt und warum die meisten großen Lücken kleiner werden, wenn man genauer hinschaut, zeigt diese Auswertung.

Wie groß der Abstand in den Berufen ist

Abstand Frauen zu Männern Berufsgruppen Anteil
Frauen verdienen mehr 11 8 %
0 bis 5 Prozent weniger 20 15 %
5 bis 10 Prozent weniger 30 22 %
10 bis 15 Prozent weniger 26 19 %
15 bis 20 Prozent weniger 24 18 %
20 Prozent und mehr weniger 24 18 %

Abstand des mittleren Bruttojahresgehalts (Median) der Frauen zu dem der Männer, Vollzeit, 2025; 135 Berufsgruppen mit Werten für beide Geschlechter. Quelle: Statistisches Bundesamt, Verdiensterhebung; Statsray-Berechnung.

In elf Berufsgruppen verdienen Frauen mehr als Männer – auffällig oft in Bauberufen. Warum das selten mehr Geld für dieselbe Arbeit bedeutet, steht in der Auswertung In diesen 11 Berufen verdienen Frauen mehr als Männer. Am anderen Ende stehen 24 Berufsgruppen mit einem Abstand von 20 Prozent und mehr.

Die zehn Berufsgruppen mit dem größten Abstand

Berufsgruppe Männer (€) Frauen (€) Abstand
Rechtsberatung, -sprechung und -ordnung 100.760 60.734 −39,7 %
Metallerzeugung 56.623 35.830 −36,7 %
Pharmazie 92.800 60.237 −35,1 %
Fahrzeugführung im Flugverkehr 154.587 103.307 −33,2 %
Papier- und Verpackungstechnik 52.729 37.105 −29,6 %
Rechnungswesen, Controlling und Revision 80.720 57.672 −28,6 %
Unternehmensorganisation und -strategie 83.865 59.954 −28,5 %
Einkauf und Vertrieb 79.988 58.139 −27,3 %
Werbung und Marketing 75.636 55.789 −26,2 %
Geschäftsführung und Vorstand 122.000 90.000 −26,2 %

Median des Bruttojahresverdienstes einschließlich Sonderzahlungen, Vollzeitbeschäftigte, 2025. Quelle: Statistisches Bundesamt, Verdiensterhebung, GENESIS 62361-0034; Abstand: Statsray-Berechnung.

Auffällig ist, dass die größten Abstände oft dort auftreten, wo die Gehälter insgesamt hoch sind: in der Geschäftsführung, im Controlling, in der Unternehmensberatung, unter Piloten und Juristen. Mit der Metallerzeugung und der Papier- und Verpackungstechnik stehen aber auch zwei Produktionsberufe mit durchschnittlichen Gehältern weit oben.

Was hinter den großen Lücken steckt

Eine Berufsgruppe fasst sehr unterschiedliche Tätigkeiten zusammen. Zur Gruppe der Rechtsberufe gehören Richterinnen, Staatsanwälte und Rechtsanwältinnen ebenso wie Fachkräfte in der Assistenz von Kanzleien und Notariaten. Die Verdiensterhebung weist diese Berufsgattungen getrennt aus – und dort sind die Abstände deutlich kleiner als für die Gruppe insgesamt.

Recht Männer (€) Frauen (€) Abstand
Assistenz Rechtsanwalt., Notariat – Fachkraft 55.167 42.548 −22,9 %
Rechtsanwälte – Experte 109.563 97.482 −11,0 %
Staatsanwälte – Experte 98.264 91.889 −6,5 %
Richter – Experte 100.495 94.030 −6,4 %
Führung – Rechtsberatung, -sprechung, -ordnung 160.324 142.610 −11,0 %
Berufsgruppe insgesamt 100.760 60.734 −39,7 %

Median des Bruttojahresverdienstes 2025, Vollzeit, ausgewählte Berufsgattungen der Berufsgruppe 731. Quelle: Statistisches Bundesamt, Verdiensterhebung; Statsray-Berechnung.

Bei Richtern und Staatsanwälten verdienen Frauen gut 6 Prozent weniger, bei Rechtsanwälten 11,0 Prozent. Der Gesamtabstand von 39,7 Prozent ist in keiner dieser Tätigkeiten erreicht. Er entsteht vor allem dadurch, dass Frauen und Männer unterschiedlich auf die Tätigkeiten verteilt sind. Die Statistik nennt die Zahl der Beschäftigten je Tätigkeit nicht, die einzelnen Abstände liegen aber alle deutlich unter dem Gesamtwert.

Nicht überall verschwindet die Lücke so. Unter Piloten verdienen Frauen auch auf gleicher Stufe deutlich weniger: als Spezialistin 32,2 Prozent, als Expertin 37,6 Prozent. In der Buchhaltung wächst der Abstand mit der Stufe: Fachkräfte 7,4 Prozent, Expertinnen 34,4 Prozent – während Frauen als Expertinnen der Kostenrechnung und Kalkulation 9,6 Prozent mehr verdienen. In der Pharmazie liegt der Abstand unter pharmazeutisch-technischen Assistenzkräften bei 2,9 Prozent, unter Fachärzten der Pharmakologie bei 19,9 Prozent.

Je anspruchsvoller die Tätigkeit, desto größer der Abstand

Die Klassifikation der Berufe ordnet jede Tätigkeit einem von vier Anforderungsniveaus zu: Helfer, Fachkraft, Spezialist und Experte. Über alle 853 Berufsgattungen mit Werten für Frauen und Männer liegt der mittlere Abstand bei 9,2 Prozent – also kleiner als auf Ebene der Berufsgruppen (11,3 Prozent). Ein Teil der Lücke innerhalb der Berufsgruppen entsteht demnach durch die Verteilung auf die Tätigkeiten.

Anforderungsniveau Tätigkeiten Mittlerer Abstand Frauen vorn
Helfer 52 −7,8 % 9
Fachkraft 314 −8,3 % 53
Spezialist 252 −9,1 % 38
Experte 235 −11,0 % 22

Median der Abstände über alle Berufsgattungen (fünfstellig) eines Anforderungsniveaus mit Werten für beide Geschlechter, Vollzeit, 2025. Quelle: Statistisches Bundesamt, Verdiensterhebung; Statsray-Berechnung.

Mit dem Anforderungsniveau wächst der Abstand: von 7,8 Prozent bei Helfertätigkeiten auf 11,0 Prozent bei Expertentätigkeiten, die in der Regel ein Studium voraussetzen. In 122 der 853 Tätigkeiten verdienen Frauen mehr als Männer. Wie sich der Abstand nach beruflicher Position und Führungsverantwortung unterscheidet, zeigt die Analyse Gender Pay Gap nach Branchen – das Anforderungsniveau misst nur die Komplexität einer Tätigkeit, nicht die Hierarchie.

Höhere Gehälter, größere Lücke

Gehaltsniveau Median-Gehalt (€) Abstand
unteres Drittel 29.400–46.264 −8,9 %
mittleres Drittel 46.313–57.375 −12,0 %
oberes Drittel 57.449–152.549 −14,3 %

Je 45 Berufsgruppen, sortiert nach dem Median-Jahresgehalt aller Vollzeitbeschäftigten 2025. Quelle: Statistisches Bundesamt, Verdiensterhebung; Statsray-Berechnung.

Teilt man die 135 Berufsgruppen nach ihrem Gehaltsniveau in drei gleich große Gruppen, wächst der mittlere Abstand von 8,9 Prozent im unteren Drittel auf 14,3 Prozent im oberen Drittel. Der Zusammenhang ist mäßig (Korrelationskoeffizient r = −0,35 zwischen dem logarithmierten Gehalt und dem Abstand): Es gibt gut bezahlte Berufe mit kleiner Lücke wie die Informatik (−0,6 Prozent) und schlechter bezahlte mit großer Lücke wie die Metallerzeugung.

Die Berufsbereiche im Vergleich

Berufsbereich Abstand
Berufe in Unternehmensführung und -organisation −33,8 %
Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufe −26,4 %
Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen, Steuerberatung −25,0 %
Technische Entwicklungs-, Konstruktions-, Produktionssteuerung −23,4 %
Medizinische Gesundheitsberufe −23,2 %
Metallerzeugung und -bearbeitung, Metallbauberufe −23,0 %
…
Land-, Tier- und Forstwirtschaftsberufe −5,6 %
Lehrende und ausbildende Berufe −4,0 %
Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe −2,7 %
Gebäude- und versorgungstechnische Berufe +2,1 %
Geologie-, Geografie- und Umweltschutzberufe +8,4 %
Hoch- und Tiefbauberufe +16,5 %

Abstand des Median-Jahresgehalts der Frauen zu dem der Männer für den gesamten Berufsbereich (zweistellig), Vollzeit, 2025; die sechs größten und die sechs kleinsten Abstände von 37 Bereichen. Quelle: Statistisches Bundesamt, Verdiensterhebung; Statsray-Berechnung.

Fasst man die Berufsgruppen zu Berufsbereichen zusammen, liegt nur in 3 von 37 Bereichen das mittlere Gehalt der Frauen über dem der Männer: in den Hoch- und Tiefbauberufen, den Geologie-, Geografie- und Umweltschutzberufen sowie den gebäude- und versorgungstechnischen Berufen. Die größten Abstände gibt es in den Bereichen Berufe in Unternehmensführung und -organisation (−33,8 Prozent) und Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufe (−26,4 Prozent). Auch hier gilt: Ein Bereichswert fasst viele Tätigkeiten zusammen und ist deshalb stark von der Zusammensetzung geprägt.

Die Lücke wird kleiner

Seit 2022 liegen Werte nach Berufen in dieser Form vor. Für 127 Berufsgruppen gibt es Werte für 2022 und 2025. In 88 davon ist der Abstand zwischen Frauen und Männern kleiner geworden. Der mittlere Abstand sank von 13,0 Prozent (2022) auf 11,3 Prozent (2025). Das passt zum offiziellen Gender Pay Gap des Statistischen Bundesamts, der im selben Zeitraum von 18 auf 16 Prozent zurückging.

Die Jahre dazwischen zeigen, dass die Entwicklung nicht gleichmäßig verlief: 11,8 Prozent im Jahr 2023, 11,3 Prozent im Jahr 2024. Einzelne Berufsgruppen schwanken von Jahr zu Jahr deutlich, vor allem dort, wo nur wenige Frauen oder Männer arbeiten.

Unter den Berufsgruppen, in denen Frauen weiterhin weniger verdienen, hat sich die Lücke am stärksten in diesen Gruppen geschlossen: Musikinstrumentenbau (von 37,0 auf 7,8 Prozent); Produkt- und Industriedesign (von 38,4 auf 15,7 Prozent); Fototechnik und Fotografie (von 25,4 auf 3,3 Prozent); Fahrzeugführung im Schiffsverkehr (von 38,8 auf 21,1 Prozent). Gewachsen ist sie dagegen etwa in diesen Gruppen: Bauplanung und -überwachung, Architektur (von 12,5 auf 19,6 Prozent); Tiermedizin und Tierheilkunde (von 15,9 auf 23,7 Prozent); Fahrzeugführung im Flugverkehr (von 14,0 auf 33,2 Prozent). Ob solche Sprünge dauerhaft sind, lässt sich nach vier Jahren noch nicht sagen; in kleinen Berufsgruppen können wenige Personen den Median deutlich verschieben.

Wie passt das zum Gender Pay Gap von 16 Prozent?

Das Statistische Bundesamt beziffert den unbereinigten Gender Pay Gap für 2025 auf 16 Prozent. Diese Zahl vergleicht die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste aller Beschäftigten, also auch die von Teilzeitbeschäftigten. Die Werte hier messen etwas anderes: das mittlere Jahresgehalt von Vollzeitbeschäftigten innerhalb einer Berufsgruppe oder Tätigkeit. Der Abstand innerhalb der Berufe ist meist kleiner als der Gesamtwert, weil ein Teil des Gender Pay Gap daraus entsteht, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Berufen und in Teilzeit arbeiten. Rechnet man Unterschiede bei Beruf, Branche, Arbeitszeit und weiteren Merkmalen heraus, bleibt der sogenannte bereinigte Gender Pay Gap, den die Analyse nach Branchen einordnet.

Was die Zahlen nicht zeigen

  • Keine gleiche Stelle: Verglichen werden alle Vollzeitbeschäftigten einer Berufsgruppe oder Berufsgattung, nicht Frauen und Männer in derselben Position. Berufserfahrung, Betriebsgröße, Region und Tarifbindung sind nicht herausgerechnet.
  • Keine Beschäftigtenzahlen: Wie viele Frauen und Männer in den einzelnen Tätigkeiten arbeiten, veröffentlicht diese Tabelle nicht. Mittelwerte über Tätigkeiten sind deshalb ungewichtet.
  • Kleine Gruppen: In Berufen, in denen nur wenige Frauen oder Männer arbeiten, beruhen die Werte auf wenigen Meldungen und schwanken stärker. Werte, die das Statistische Bundesamt als zu unsicher kennzeichnet, fehlen.
  • Keine Ursachen: Die Statistik sagt nicht, ob ein Abstand auf Benachteiligung, Zulagen, Arbeitszeiten oder Verhandlungen beruht.

Häufige Fragen

In welchem Beruf ist der Gender Pay Gap am größten?

Unter 135 Berufsgruppen war der Abstand 2025 in der Berufsgruppe Rechtsberatung, -sprechung und -ordnung am größten: Frauen verdienten im Mittel 39,7 Prozent weniger als Männer. Unter Richtern betrug er dagegen nur 6,4 Prozent.

In welchen Berufen verdienen Frauen mehr als Männer?

2025 lag das mittlere Bruttojahresgehalt von Frauen in Vollzeit in 11 von 135 Berufsgruppen über dem der Männer, am deutlichsten in der Umweltschutztechnik (+27,9 Prozent).

Ist der Gender Pay Gap bei Akademikern größer?

Bei Tätigkeiten auf Expertenniveau, die meist ein Studium voraussetzen, lag der mittlere Abstand 2025 bei 11,0 Prozent, bei Helfertätigkeiten bei 7,8 Prozent.

Wird der Gender Pay Gap kleiner?

Ja. In 88 von 127 Berufsgruppen ist der Abstand von 2022 bis 2025 kleiner geworden; der offizielle unbereinigte Gender Pay Gap sank von 18 auf 16 Prozent.

Gehälter aller Berufe mit Monats- und Stundenlohn, Anforderungsniveau und Vergleich nach Geschlecht: Gehaltsranking aller Berufe, dazu die Statistiken Gehalt nach Beruf, Gender Pay Gap und Mediangehalt.

Daten und Methode

Quelle: Statistisches Bundesamt, Verdiensterhebung, GENESIS-Tabelle 62361-0034 (Bruttojahresverdienste von Vollzeitbeschäftigten einschließlich Sonderzahlungen nach Berufen der Klassifikation der Berufe 2010 und Geschlecht), Berichtsjahre 2022 bis 2025. Ausgewertet wurden alle 135 Berufsgruppen (dreistellig), alle 853 Berufsgattungen (fünfstellig) und alle 37 Berufsbereiche (zweistellig) mit Werten für Frauen und Männer. Abstände in Prozent des Männergehalts, Mittelwerte als Median ohne Gewichtung; alles Statsray-Berechnungen.

Statistiken in diesem Artikel

Gefällt Ihnen die Analyse? Teilen oder verlinken Sie sie

Kostenlos, mit Quellenangabe (CC BY 4.0)

Einzelne Tabellen lassen sich direkt unter der Tabelle verlinken, einbetten oder als CSV laden.